Filme, die ich im CineSura viel lieber zeigte
25 Jun
Neulich zeigten wir im CineSura den Film „The Bounty Hunter“. Einer unserer Zuschauer hatte uns ins Gästebuch geschrieben: „ Ech war deen eenzeschen am Kino, an elo wees ech och firwat.“ Was uns daran so traurig macht ist, dass wir wissen, dass „The Bounty Hunter“ ein grottenschlechter Film ist. Aber es ist uns, aus tausend verschiedenen Gründen, nicht immer möglich, die Filme zu zeigen, die wir für gut befinden. Davon mal abgesehen, dass das natürlich auch immer eine Frage des Geschmacks des Publikums ist. Deswegen habe ich mir jetzt folgendes überlegt:
Ich stelle jetzt drei von über zehtausend tollen Filmen vor, die ich lieber im Sura spielen würde, die aber schon zu alt sind, oder die wir hier nie vom Filmverleih bekommen würden. Es lohnt sich diese Meisterwerke in der Cinémathèque anzuschauen oder ins CNA zu fahren um sie sich dort ganz umsonst auszuleihen und sich mit dem netten Mitarbeiter an der Ausleihtheke darüber zu unterhalten. Und wenn dann die Bounty-Hunter-Woche vorbei ist, können Sie dann wieder zu uns ins Kino kommen.
Ich habe drei Filme ausgesucht, welche nicht durch den massiven Einsatz von Spezial Effekten oder amerikanischer Blödheit glänzen. Hier beweisen die Filmemacher wieder, dass man auch mit spartanischer Ausrüstung einen tollen Film machen kann. Mann braucht einfach ein paar gute Ideen und schon hat man eine Sahneschnitte von Film. (Mit Crème- und Puddingfüllung und kandierter Kirsche obendrauf.) Viel Spaß beim Probeschlemmern.
Le petit monde de Don Camillo
Italien/Frankreich 1952
Regie: Julien Duvivier, Mit: Gino Cervi als Peppone und Fernandel als Don
Der Film nach dem Buch von Giovanni Guareschi, spielt in einem italienischen Dorf, in dem zwei Parteien und deren Anführer um die Vorherrschaft ringen. Der frisch gewählte kommunistische Bürgermeister Peppone kümmert sich um die weltlichen Dinge und der engagierten Priester Don Camillo hat Religion und Glauben unter seiner Zuständigkeit. Das ganze ist reichhaltig bespickt mit typisch italienischem Humor.
Der Film besticht vor allem durch seine lustigen Dialoge. Etwa wenn Don Camillo während der Prozession zu Jesus sagt: „Meine Güte, dieses Kreuz ist aber schwer!“ und Jesus antwortet: „Wem sagst du´s (…)!“
Diesen Film zu verstehen setzt nicht unbedingt die Kenntnis der italienischen Seele voraus, aber es hilft rot und schwarz voneinander unterscheiden zu können, schon ein Mal die Internationale gehört zu haben und ein paar Stellen aus der Bibel zu kennen. Für einen lustigen, gemütlichen Abend in der Familie (na die Kinder sollten schon etwas älter sein) ist das genau der richtige Film.
Gigante
Uruguay/Argentinien/Deutschland/Spanien 2009
Regie: Adrián Biniez, Mit: Horacio Camandulle als Jara und Leonor Svarcas als Julia
Jara ist Wachmann in einem Supermarkt. Jeden Abend sitzt er in einem kleinen Zimmer vor einigen Bildschirmen und passt auf, dass alles mit rechten Dingen zugeht. Dort ist er aber nicht alleine. Denn auch die Putzkolonne arbeitet nachts und als Jara die neue Putzfrau Julia auf seinen Überwachungsmonitoren erblickt, ist es um ihn geschehen. Es ist Liebe auf den ersten Blick und von jetzt an hat Jara nur noch Augen für sie. Da er sich aber nicht traut sie anzusprechen, verfolgt er sie auf Schritt und Tritt und passt ganz gentlemanlike auf sie auf und das alles, ohne dass sie etwas davon mitbekommt.
Dies ist kein 100-Millionen-Dollar-Film. Die Szene, in der Julia beim Putzen einen Küchenpapierrollenturm zum Einstürzen bringt, ist die actionreichste und erstaunlicherweise nur mit einem einzigen Take gedreht worden. Es wird nicht so viel geredet in dem Film aber die Situationskomik überzeugt auf sanfte aber geniale Art und Weise und man kann sich so gut in den schüchternen Jara hineinversetzen, mit ihm hoffen und bangen, dass er seine Julia bald erobern kann. Dieser Film wird von allen verstanden, die schon ein Mal verliebt waren und nicht wussten, wie sie sich mitteilen sollten. Nicht umsonst ist er auf der Berlinale 2009 drei Mal ausgezeichnet worden. Wer sich diesen Streifen entgehen lässt ist selbst schuld.
Die Leuchtkraft der Ziege - eine Naturerscheinung
DDR, 1987, Regie: Jochen Kraußer
Ein Kurzfilm aus „dunklen“ DDR-Zeiten, etwas skurril. Es geht um einen Amateurfilmer, der einigen Dorfbewohnern einen Film über die Leuchtkraft der Ziege zeigt… (Ach! Ich würde den ja so gerne als Eröffnungsfilm zum Clipstar zeigen).
Gesellschaftskritik durfte man damals ja nicht üben, weswegen sich manche Kreative für den Weg ins Absurde/Komische entschieden. Kritik an der Gesellschaft und an der Art und Weise wie man damals Filme zu drehen hatte, wird zwar in diesem Streifen geübt, aber man muss schon ganz ganz gut hinsehen. Macht aber nichts, wenn man das nicht gleich merkt. Beeindruckend sind in diesem Film vor allem die Kreativität und die Form des Humors. Es gibt eine kurze Szene in der zwar nur eine löchrige Ziegelmauer zu sehen ist, in der man aber mehr Kreativitiät, Situationskomik und Witz erkennen kann, als in hundert rezenten Hollywoodblockbustern. Die Selbstverständlichkeit dieser Kreativität und der Erfindungsreichtum der „Genossen aus dem Osten“ hauen einen um. Und wieder ein Mal haben wir den Beweis, dass es nicht darauf ankommt wie viel man für das Arbeitswerkzeug ausgegeben hat, sondern darauf, wie man es benutzt.
So long! Cinema forever!



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