Archive by Author

Filme, die ich im CineSura viel lieber zeigte

25 Jun

Neulich zeigten wir im CineSura den Film „The Bounty Hunter“. Einer unserer Zuschauer hatte uns ins Gästebuch geschrieben: „ Ech war deen eenzeschen am Kino, an elo wees ech och firwat.“ Was uns daran so traurig macht ist, dass wir wissen, dass „The Bounty Hunter“ ein grottenschlechter Film ist. Aber es ist uns, aus tausend verschiedenen Gründen, nicht immer möglich, die Filme zu zeigen, die  wir für gut befinden. Davon mal abgesehen, dass das natürlich auch immer eine Frage des Geschmacks des Publikums ist.   Deswegen habe ich mir jetzt folgendes überlegt:
Ich stelle jetzt drei von über zehtausend tollen Filmen vor, die ich lieber im Sura spielen würde, die aber schon zu alt sind, oder die wir hier nie vom Filmverleih bekommen würden. Es lohnt sich diese Meisterwerke in der Cinémathèque anzuschauen oder ins CNA zu fahren um sie sich dort ganz umsonst auszuleihen und sich  mit dem netten Mitarbeiter an der Ausleihtheke darüber zu unterhalten. Und wenn dann die Bounty-Hunter-Woche vorbei ist, können Sie dann wieder zu uns ins Kino kommen.

Ich habe drei Filme ausgesucht, welche nicht durch den massiven Einsatz von Spezial Effekten oder amerikanischer Blödheit glänzen. Hier beweisen die Filmemacher wieder, dass man auch mit spartanischer Ausrüstung einen tollen Film machen kann. Mann braucht einfach ein paar gute Ideen und schon hat man eine Sahneschnitte von Film. (Mit Crème- und Puddingfüllung und kandierter Kirsche obendrauf.) Viel Spaß beim Probeschlemmern.

Le petit monde de Don Camillo
Italien/Frankreich 1952
Regie: Julien Duvivier, Mit: Gino Cervi als Peppone und Fernandel als Don

Der Film nach dem Buch von Giovanni Guareschi, spielt in einem italienischen Dorf, in dem zwei Parteien und deren Anführer um die Vorherrschaft ringen. Der frisch gewählte kommunistische Bürgermeister Peppone kümmert sich um die weltlichen Dinge und der engagierten Priester Don Camillo hat Religion und Glauben unter seiner Zuständigkeit. Das ganze ist reichhaltig bespickt mit typisch italienischem Humor.

Der  Film besticht vor allem durch seine lustigen Dialoge. Etwa wenn Don Camillo während der Prozession zu Jesus sagt: „Meine Güte,  dieses Kreuz ist aber schwer!“ und Jesus antwortet: „Wem sagst du´s (…)!“

Diesen Film zu verstehen setzt nicht unbedingt die Kenntnis der italienischen Seele voraus, aber es hilft rot und schwarz voneinander unterscheiden zu können, schon ein Mal die Internationale gehört zu haben und ein paar Stellen aus der Bibel zu kennen. Für einen lustigen, gemütlichen Abend in der Familie (na die Kinder sollten schon etwas älter sein) ist das genau der richtige Film.

Gigante
Uruguay/Argentinien/Deutschland/Spanien 2009
Regie: Adrián Biniez, Mit: Horacio Camandulle als Jara und Leonor Svarcas als Julia

Jara ist Wachmann in einem Supermarkt. Jeden Abend sitzt er in einem kleinen Zimmer vor einigen Bildschirmen und passt auf, dass alles mit rechten Dingen zugeht. Dort ist er aber nicht alleine. Denn auch die Putzkolonne arbeitet nachts und als Jara die neue Putzfrau Julia auf seinen Überwachungsmonitoren erblickt, ist es um ihn geschehen. Es ist Liebe auf den ersten Blick und von jetzt an hat Jara nur noch Augen für sie. Da er  sich aber nicht traut sie anzusprechen, verfolgt er sie auf Schritt und Tritt und passt ganz gentlemanlike auf sie auf und das alles, ohne dass sie etwas davon mitbekommt.

Dies ist kein 100-Millionen-Dollar-Film. Die Szene, in der Julia beim Putzen einen Küchenpapierrollenturm zum Einstürzen bringt, ist die actionreichste und erstaunlicherweise nur mit einem einzigen Take gedreht worden. Es wird nicht so viel geredet in dem Film aber die Situationskomik  überzeugt auf sanfte aber geniale Art und Weise und  man kann sich so gut in den schüchternen Jara hineinversetzen, mit ihm hoffen und bangen, dass er seine Julia bald erobern kann.  Dieser Film wird von allen verstanden, die schon ein Mal verliebt waren und nicht wussten, wie sie sich mitteilen sollten. Nicht umsonst ist er auf der Berlinale 2009 drei Mal ausgezeichnet worden. Wer sich diesen Streifen entgehen lässt ist selbst schuld.

Die Leuchtkraft der Ziege -  eine Naturerscheinung
DDR, 1987, Regie: Jochen Kraußer

Ein  Kurzfilm aus „dunklen“ DDR-Zeiten, etwas skurril. Es geht um einen Amateurfilmer, der einigen Dorfbewohnern einen Film über die Leuchtkraft der Ziege zeigt… (Ach! Ich würde den ja so gerne als Eröffnungsfilm zum Clipstar zeigen).

Gesellschaftskritik durfte man damals ja nicht üben, weswegen sich manche  Kreative für den Weg ins Absurde/Komische entschieden. Kritik an der Gesellschaft und an der Art und Weise wie man damals Filme zu drehen hatte, wird zwar in diesem Streifen geübt, aber man muss schon ganz ganz gut hinsehen.  Macht aber nichts, wenn man das nicht gleich merkt. Beeindruckend sind in diesem Film vor allem die Kreativität und die Form des Humors. Es gibt eine kurze Szene in der zwar nur eine löchrige Ziegelmauer zu sehen ist, in der man aber mehr Kreativitiät, Situationskomik und Witz erkennen kann, als in hundert rezenten Hollywoodblockbustern. Die Selbstverständlichkeit dieser Kreativität und der Erfindungsreichtum der „Genossen aus dem Osten“  hauen einen um. Und wieder ein Mal haben wir den Beweis, dass es nicht darauf ankommt wie viel man für das Arbeitswerkzeug ausgegeben hat, sondern darauf, wie man es benutzt.

So long! Cinema forever!

Orangen in der Cinematheque

16 Jun

Die Orange ist in der Filmwelt ein weit verbreitetes Symbol, das baldiges Unheil ankündigt. Wieso das so ist, habe ich bis Redaktionsschluss nicht herausfinden können.
Wer aber zu diesem Thema mehr erfahren will, kann heute Abend in die Cinémathèque gehen, wo  Eyal Sivan seinen neuen Film, “Jaffa, la mécanique de l’orange” präsentiert.
Hier wird man erfahren was für Assoziationen die Orange bei Israelis und Palästinensern auslöst und am Ende des Films gibts eine Diskussionsrunde.
Also, nichts wie hin!

http://www.vdl.lu/Soir%C3%A9e+Cin%C3%A9_d%C3%A9bat+_Palestine_+Isra%C3%ABl+et+les+oranges+du+Jaffa_.html


Film der Woche: Shutter Island

3 Jun

Weit abgeschieden vom Rest der Welt, vor der Küste Massachusetts, liegt Shutter Island, wo Dr. John Cawley (Ben Kingsley) in seiner Klinik geisteskranke Schwerverbrecher behandelt. Als eine der Patientinnen, eine Mörderin entflieht, wir der US Marshal Teddy Daniels (Leonardo Di Caprio) gebeten bei der Aufklärung behilflich zu sein. Während den Ermittlungen häufen sich jedoch die Ungereimtheiten, die Daniels nicht nur misstrauisch, sondern auch zunehmend paranoider werden lassen.

Ich weiß nicht ob es daran liegt, dass ich mir in den letzten Monaten zu viele mittelmäßige Filme angeschaut habe, aber mir schein, dass Shutter Island definitiv einer der besten und spannendsten Produktionen der letzten fünf Jahre ist. Ich habe schon lange keinen Streifen mehr gesehen, der so spannend, meisterhaft inszeniert und super gespielt war.  Man stellt sich als Zuschauer immer wieder die Frage, worauf der Film hinauslaufen wird und egal wie viele potentielle Enden man sich ausdenkt, zum Schluss wird man doch überrascht und nur der allerletzte gesprochene Satz (!!!) vom Marshal, lüftet dann endgültig das Geheimnis. Dies bedeutet dann wiederum, dass man sich den Film unbedingt noch ein zweites und ein drittes Mal anschauen muss.

Man könnte an dieser Stelle noch lange herumschwafeln, ob es Scorseses zweit- oder drittbeste Arbeit war, ob die hundertste Nebenrolle gut besetzt war und ob die Krawatte von Teddy eine Metapher für die paranoide Stimmung der Gesellschaft der USA der fünfziger Jahre ist. Dies ist hier aber nicht relevant. Denn der Film ist gut, unterhält, gibt die eine oder andere Anregung zur philosophischen Diskussion und (man kann es einfach nicht oft genug sagen) ist so was von spannend und nicht vorausschaubar.

Also, liebe Freundinnen und Freunde des CineSura. Kommen Sie doch einfach vorbei und genießen Sie dieses kleine Meisterwerk! Außer der hässlichen Krawatte von Mr. Daniels gibt es wirklich nichts was da dagegen spricht.

Der Film läuft bei uns:
Am Freitag,    dem 04. Juni 2010 um 20:00
Am Samstag,  dem 05. Juni 2010 um 20:00
Am Sonntag,  dem 06. Juni 2010 um 20:00
Am Montag,   dem 07. Juni 2010 um 20:00
Am Dienstag, dem 08. Juni 2010 um 20:00

Film der Woche: Alice in Wonderland (2010)

27 Mai

Machen wir es kurz:

Tim Burton macht mal wieder mit seinen Lieblingsschauspielern rum. Da ist Johnny Depp, der mit der Verkörperung des verrückten Hutmachers sein Image pflegt, Alan Rickman, der die blaue  Raupe spricht und die unvergleichliche Helena Bonham Carter, hier als Rote Königin, so wunderbar durchgeknallt, dass man beim Zuschauen einen kinematographischen Orgasmus bekommt. Ihr Gegenpart – die Weiße Königin, welche zwanghaft pazifistisch, ständig stoned unter blühenden Kirsch- bäumen umherschwebt ist auch nicht von schlechten Eltern.

Der Film begeistert junges Publikum, weil es viele bunte Fabelwesen, ein bisschen Magie und ein paar knuffige Tiere zu sehen gibt, er spricht mode- bewusste Zuschauer an, weil sehr sehr viele wirklich tolle Kleider- und Hutkreationen drin vorkommen und er bewegt Actionfans wenn Alice am Ende den bösen bösen Jabberwocky mit einem eleganten Schwerthieb killt. (Alice und Perseus – das wär die perfekte Mischung!)

Nur die Story ist ein bisschen vorausschaubar (weswegen ich gerade eben ohne Spoilerwarnung und schlechtes Gewissen das Ende verraten habe).

Aber mal ehrlich, wen interessiert das?!

Der Film läuft bei uns:
Am Samstag, dem 29. Mai 2010 um 16:00
Am Sonntag, dem 30. Mai 2010 um 16:00

The Ghostwriter läuft bei uns:
Vom Freitag, dem 28. Mai bis 2010
bis Dienstag, dem 01. Juni 2010 jeweils um 20:00

NIEDER MIT DER MIESEN BREITRÜBE!

Film der Woche: The Men Who Stare at Goats

13 Mai

Bob Wilton (Ewan McGregor), genervt über seine langweilige journalistische Arbeit beim lokalen Käseblatt und frustriert wegen der Trennung von seiner Frau, bricht Hals über Kopf in den Irak auf um seine Exfrau zu beeindrucken und seinem Leben wieder einen Sinn zu geben. Aber bevor er das Kriegsgebiet erreichen kann, begegnet ihm Lyn Cassady (George Clooney).

Dieser erzählt ihm von seiner Spezialeinheit, eine Gruppe von Hippie-Kriegern, die ihre parapsychologischen Fähigkeiten trainieren um damit den Krieg zu beenden. Bob, zunächst sehr misstrauisch, entscheidet sich, Cassady auf einem geheimen Auftrag zu begleiten, weil er eine Gelegenheit wittert eine spektakuläre Enthüllungsstory zu schreiben. Was folgt ist eine sehr seltsame Odyssee durch die irakische Wüste.

Der Film hat seine skurrilen Momente. Wenn man in Rückblenden von den unkonventionellen Trainingsmethoden des Einheitsleiters, Bill Django (Jeff Bridges – I love you!!!) erfährt, welcher gerne mal Blumen an die jungen Rekruten verteilt und die “Novizen” in Trance durch die Kaserne tanzen lässt, oder wenn Cassady versucht seine tollen paranormalen Fähigkeiten vorzuführen und nachher doch irgendwie alles schief geht.

Trotzdem bleibt am Ende die Frage: “Was ist das eigentlich für ein Film und was will er uns sagen? Was hiervon ist eigentlich ernsthafte Kritik am kriegstreibenden Amerika und was ist nur sinnloser Slapstick? Hier handelt es sich weder um einen klassischen Anti-Kriegsfilm, noch um eine richtige Komödie und schon gar nicht um einen Enthüllungsthriller. Deswegen habe ich mich entschieden den Streifen als Ode an die Sinnlosigkeit zu deklarieren. Das ist heutzutage modern, lässt die intellektuelle Leserschaft hinhören und gibt viel Raum für Interpretation.

Zum Beispiel: Wenn Wilton und Cassady in einer greenhornartigen Aktion versuchen einem entführten Einheimischen das Leben zu retten und sich danach alle gegenseitig für ihre rücksichtslosen und gewalttätigen Landsmänner entschuldigen, gilt der Krieg als eine lose Verkettung von Zwischenfällen in dem es kein reines Gut und Böse gibt und niemand verstanden hat, worum es eigentlich geht.

Man kann den Film auch als eine Parodie auf Antikriegsfilme sehen. Als ein Statement dafür, dass niemand, der sich mit dem Thema Irakkrieg, in welcher Form auch immer, intensiv beschäftigt, wirklich begriffen hat wie sinnlos der Krieg, das Leben eigentlich sind.

Ja! Wir alle sind nur kleine Staubkörner, die ziellos und durchs Universum treiben. Niemand weiss wo wir herkamen und wo wir hingehen.

Und wenn man sich den Film mit diesem Gedanken im Hinterkopf  anschaut – dann macht alles plötzlich einen Sinn. vielleicht…

Ziegenstarren ist angesagt:
Am Freitag, dem 14. Mai 2010 um 20:00
Am Samstag, dem 15. Mai 2010 um 20:00
Am Sonntag, dem 16. Mai 2010 um 20:00
Am Montag, dem 17. Mai 2010 um 20:00
Am Dienstag, dem 18. Mai 2010 um 20:00

Drachen werden gezämt:
Am Samstag, dem 15. Mai 2010 um 16:00
Am Sonntag, dem 16. Mai 2010 um 16:00

Filmmusik at its best

2 Mai

Am Sonntag bin ich  von einer kleinen Studienreise ins Ruhrgebiet wieder nach Hause gefahren. Und wie ich so im tiefen Abendlicht, den belgischen Ardennen entgegengefahren bin, kam zufälligerweise im Radio eine Sendung mit Filmmusik. Und da spielten sie das Stück „Claire de Lune“ von Debussy. Es ist schon in sehr vielen Filmen verwendet worden, neulich sogar in „Twilight“. Ich habe das Lied zum ersten Mal in der Srpingbrunnenszene am Ende von „Ocean’s eleven“ genießen können. Wahrlich eine zeitlos schöne Komposition!

Hier die vertäumteste Version, die ich gefunden habe. (Nein, das ist nicht kitschig!)

Film der Woche: Kampf der Titanen

28 Apr

Zeus hat es schon wieder getan. Er hat mit einer Frau geschlafen. Nicht, dass das was Neues wär. Diesmal hat er sich die Königin ausgesucht, um sich am König zu rächen. Man könnte ihm an dieser Stelle Einfallslosigkeit vorwerfen, aber die altbewährten Methoden sind noch immer die besten…

Es folgt eine besonders tragische Geschichte: Ehemann sauer, Frau und Kind die Klippe runter geworfen, Kind überlebt und wird adoptiert…

Perseus heißt der robuste Knabe und führt ein glückliches Leben mit seinen Adoptiveltern und seiner kleinen Schwester auf einem Fischerboot. Bis – ja bis, das große Unglück geschieht und Perseus auf ganz unsubtile Art und Weise von seiner Herkunft erfährt.

http://www.youtube.com/watch?v=q6CJenNMsb4

War er bis jetzt noch sehr intensiv am Trauern, gerät er nun sogleich in eine solch heftige Identitätskrise, dass ihm wegen mangelnder Kommunikationsfähigkeit nichts besseres einfällt als herumzuziehen und jede Menge Monster und Fabelwesen zu killen und das nicht ohne dabei das Leben seiner Begleiter aufs Spiel zu setzen, weil er aus reiner Sturheit einfach nicht dieses tolle Zauberschwert benutzen will, das ihm sein besorgter Vater vom Olymp heruntergeschickt hat.

„Clash of the Titans“ ist wahrscheinlich vor allem für Actionfans. Alle überflüssigen Dialoge und Gefühlsduseleien werden ausgelassen, die Actionszenen sind reichlich und die benutzte Animationstechnik lässt Render-Herzen höher schlagen. Trotzdem kommen die zarteren Individuen bei diesem Film nicht zu kurz. Das allerdings nur aus einem Grund. Sam Worthington, grrrr! Man hofft, dass diese Muskeln echt und nicht gerendert sind. Wie er so, mit ständig schmutzbeschmiertem Körper und seinen beiden Leitsätzen: „Ich bin ein Mensch und kein Gott“ und „Mein Vater war ein Fischer und ein großer Mann“ durch die altgriechische Landschaft schreitet und elegant sein Kurzschwert durch die Gegend schwingt – da wird einem gleich ganz anders.  Ob das die anspruchsvollen KinogängerInnen aber über den Rest hinwegtrösten kann, wage ich zu bezweifeln, denn eine nachvollziehbare Story, genauso wie Titanen, sucht man in diesem Film vergebens.

Für Kinogänger, die auf Diskussionen und aufs Nachdenken stehen, ist das freilich nichts. Für die haben wir diese Woche einen luxemburgischen Film – Emil – im Programm. Am Sonntag sind sogar Regisseur (Marc Thoma) und Produzenten  (Pol Tousch und Xavier Thillen) anwesend und stehen nach der Vorstellung für Fragen zur Verfügung.

Braucht keiner zu sagen, wir vom Ciné Sura hätten unseren Zuschauern nichts zu bieten.

Perseus kämpft bei uns:
Am Freitag, dem 30. April 2010 um 20:00
Am Samstag, dem 01. Mai 2010 um 20:00
Am Sonntag, dem 02. Mai 2010 um 20:00
Am Montag, dem 03. Mai 2010 um 20:00
Am Dienstag, dem 04. Mai 2010 um 20:00

Emil läuft bei uns:
Am Sonntag, dem 02. Mai 2010 um 17:45
Am Mittwoch, dem 05. Mai 2010 um 20:00

Film der Woche: Babettes Fest

15 Apr

Geistige Nahrung vs. kulinarische Genüsse

Die Bewohner eines kleinen Dorfes in Jütland führen ein bescheidenes Leben. Sie bilden eine streng gläubige Gemeinschaft an deren Kopf ein Pastor und seine beiden wunderschönen Töchter stehen. Nichts kann diese Gemeinschaft erschüttern. Nicht ein Mal der ambitionierte Offizier Lorens Löwenhjelm oder der passionierte französische Opernsänger Achille Papin, welche sich in jeweils eine der Töchter verlieben, aber bald enttäuscht abziehen müssen.

Viele Jahre später – der Pastor ist gestorben – klopft die aus Frankreich geflohene Babette bei den allein lebenden Schwestern an der Tür. Mit einem Empfehlungsschreiben des Opernsängers im Gepäck, wird sie von den Schwestern aufgenommen und steht von nun an in ihren Diensten.

Mit der kargen Landschaft, dem ständig grauen Himmel und der sehr bescheiden lebenden Gemeinschaft, die 90% ihrer Zeit mit Beten, Singen oder beidem gleichzeitig zu verbringen scheint, kommt hier alles etwas trostlos und traurig daher. Dem gegenüber stehen zwei Männer von außerhalb, welche versuchen in diese feste Gemeinschaft einzudringen indem sie um des Pastors Töchter werben und ihnen die herrlichen aber auch vergänglichen Genüsse der großen weiten Welt versprechen. Die beiden Männer verstehen, dass hier höhere Mächte zugange sind und nichts zu machen ist. Nur Babette, die aus Frankreich geflüchtet ist und mit den knappem Satz: „Babette weiß wie man kocht“ vorgestellt wird, ist anders. Sie fügt sich schnell in ihre neue Aufgabe als Haushälterin der beiden alten Fräuleins ein, ohne dabei ihre Selbstsicherheit und ihren französischen Charme zu verlieren. Sie vermag manchmal ein kleines heimliches Lächeln bei den Mitmenschen hervorzuzaubern und beschwert sich nicht ein Mal als sie zum ersten Mal ein Gericht namens Brotsuppe/Bierbrot vorgesetzt bekommt. Man ahnt hier schon, dass sie andere Verhältnisse gewohnt war, schließlich ist die Dame aus Paris. Aber das Geheimnis ihrer Herkunft, wird erst ganz am Ende in einem bewegenden Festessen-Showdown aufgedeckt. Was aber nicht heißen soll, dass es hier sehr hektisch zugehen würde. Nein, alles im Film wird mit viel Ruhe erzählt. Die Erzählweise ist so karg wie die jütländische Landschaft. Aber genau diese Kombination im Hinblick auf das Ende der Erzählung ist es, die den Film so wertvoll macht.

Der Film wird auch getragen von der hervorragenden Leistung der Schauspieler, welche in knappen Sätzen sprechend und Gebetsverse zitierend ihre Rollen interpretieren und trotzdem in jeder Sekunde des Films darzustellen vermögen, was ihre Charaktere in Wirklichkeit denken und fühlen.

Hier vereinen sich die Koch- und Schauspielkunst auf höchstem Niveau. Ein Muss für alle Film-Genießer.

Babettes Fest  läuft bei uns am Mittwoch, 21. April um 19:30 Uhr im Rahmen der Sonderreihe “Kino Kritesch Kucken”

Danach verwöhnt uns Sylvie Bisdorff mit Leckereien aus ihrer Küche
Der Erlös geht zu Gunsten des Télévie
Melden Sie sich bis zum 17.04.2010 an
aurelia.pattou@mecasbl.lu oder 26 72 00 35


Des Weiteren können wir Ihnen noch folgende Leckerbissen anbieten:
Valentines Day, Freitags bis Dienstags um 20 Uhr
Soirée Pierre Bertogne, Samstag 18 Uhr und Sonntag um 16 Uhr
The Private Lives of Pippa Lee,  Sonntag um 17:45 Uhr

Das Traumkino

11 Apr

Cinema Europa, Lisboa. http://farm4.static.flickr.com/3053/2687947869_31c4882dc7.jpg

Kinoliebhaber oder Cinephile, wie man hier zu Lande sagt, sind schon sehr seltsame Menschen. Sie fristen viele einsame Abende in Projektionsräumen, sinnieren stundenlang über die symbolische Bedeutung bestimmter Obstsorten in Filmen und führen auch schon Mal sehr lange Diskussionen darüber, ab welchem Zeitpunkt während des Abspannes und mit welcher Geschwindigkeit das Licht im Zuschauerraum hochgedimmt werden sollte.

Viele machen diese Arbeit ehrenamtlich. Der einzige materielle “Lohn” den wir für unsere Arbeit bekommen, sind Freikarten fürs Kino und ab und zu ein Eis oder ein chinesisches Essen. Davon kann man keine Familie ernähren, aber das ist uns so was von egal. Denn Kino ist unsere Leidenschaft. Wir sagen es zwar niemanden, aber wir würden noch Kino machen, wenn wir dafür eingesperrt würden. Wir würden jeden Tag zwei Stunden im Schneesturm barfuß laufen oder eine 300 m2 Leinwand mit der Zahnbürste putzen, wenn wir dafür nur Kino machen dürften.

Und weil der Film schon so eine Art von Kunst ist, die nicht so einfach mit dem Immobiliengeschäft oder simplem Produktion von Bohrmaschinen verglichen werden kann, sollte er auch als solche behandelt werden.

Welche Aspekte dieses weiten Feldes – Kino – uns besonders faszinieren, ist unterschiedlich. Für die einen ist es die Technik, für die anderen ist es die Macht mit ein paar Handgriffen und Knopfdrücken die Menschen in den Bann zu ziehen. Für mich sind es die Träume, die großen Gefühle und manchmal auch diese Ahnung die einen überkommt, wenn man das Produkt der Filmemacher sieht und merkt, dass der Regisseur, die Schauspieler und der Filmkomponist ihre Arbeit mindestens genau so gerne machen wie man selbst.

Natürlich träumen wir alle davon, ein Mal unser eigenes Kino zu besitzen. Kein Homecinema, sondern ein richtiges Kino.

Und wie sieht so ein Kino aus, ein Kino, das von Menschen betrieben wird, die den Job so gerne machen, dass sie nie wieder was anderes machen würden, die schönsten Sommerabende drinnen verbringen und niemals in Rente gehen? Das Traumkino des Kinoträumers? Auch darüber gibt es unter den Verrückten viele Diskussionen.

Manche kunstversierten Cinephile, stellen sich ihr Lieblingskino als ein kleines gemütliches Programmkino, mitten im Szeneviertel der Stadt vor. Es hat zwei bis drei Säle, und spielt ausschließlich gute Streifen, Blockbuster nur, wenn sie es wert sind, aber fast ausschließlich Arthousefilme und gewagte Reportagen über ausgebeutete Landstriche und ihre Menschen. Aber es gibt auch viele Sonderveranstaltungen wie Film-Theater-Fusionen, Reisevorträge aus exotischen Ländern und Filmkonzerte bei denen die Band selber moderne Kurzfilme aussucht, die sie dann mit klassischer Musik neu vertont… Ein kleines gemütliches Boehme–Stadtkino, wenn man so will, selbstverständlich in einem Gründerzeit-Altbau, mit einem Café zur Straßenseite hin. Dort kann man auch hingehen wenn keine Vorstellung läuft, einen Latte Macchiato trinken, über den Sinn des Lebens sinnieren und mit gleichgesinnten ungestört über Polanskis Regiearbeit diskutieren…

Ein Kinofoyer in Sydney. http://farm4.static.flickr.com/3066/2338748017_f9963a293e.jpg

Nostalgiker stellen sich das Wunschkino alt und authentisch vor. Es sieht ungefähr wie folgt aus: Es sollte einen stilechten Anzeigestreifen mit Buchstaben zum Aufhängen haben. Dann muss es unbedingt einige Logen und/oder einen Balkon geben und die Inneneinrichtung soll ganz edel sein, alles aus rotem Samt, golden umrandet und geschnörkelt ohne kitschig zu sein. So dass man sich vorkommt wie in einer Oper. Dann gibt es ein großzügig gestaltetes Foyer mit ausladenden Showtreppen, Fußböden aus Marmor, saubere Toiletten aus Porzellan und kleine süße Kassenhäuschen.

Dieses Lichtspielhaus ist aber nicht nur reich ausgestattet, was den Innenausbau angeht, sondern auch vom Personal her. Hier arbeiten Kassendamen, Kartenabreißer, Popcorn- und Eisverkäufer mit Ausstrahlung und kümmern sich persönlich und zuvorkommend um die Gäste. Selbstbedienung ist hier ein Fremdwort, das Bier wird vom Fass gezapft und in edlen Glasbehältnissen gereicht.

Dieses Kino versteckt sich nicht in einer Seitenstraße, in einem Keller oder in einer Gallerie. Es steht in einer zentralen, belebten Stelle in der Stadt, direkt am Marktplatz. Dazu ein Vorplatz, großzügig gestaltet, mit Springbrunnen, geschnittenen Platanen und edler Beleuchtung.

Ein Solitärbau, der sagt: “Komm herein, ich bin das Kino, das wir alle lieben – das Herz dieser Stadt”.

Und dann gibt es auch noch das Studentenkino, wie ich es kenne. Da geht es weniger darum, wie das Kino aussieht und wo es steht als mehr um das Innenleben. Jedes Mitglied vom Verein hat das gleiche Mitspracherecht über die Auswahl der Filme und alle arbeiten mit. Vorführen, Pressetexte schreiben, Flyer designen, Deko aussuchen und Kabel verlegen; alles wird vorher ausdiskutiert und dann zusammen umgesetzt. Traditionell ist es so, dass die Studenten aus den Geisteswissenschaften sich dafür einsetzen, dass mehr “intelligente” Filme laufen, während die technikaffinen Leute auch gerne mal einen tollen Scifi-Film zeigen oder einen Kultschocker aus den Siebzigern. Es werden lange Diskussionen über die Getränkeauswahl geführt – darüber, ob bestimmte Colasorten zu kommerziell sind und dass der Verkauf von Biolimonade vielleicht zu pseudocool ‘rüber kommen könnte. Andere setzen sich mit Herzblut dafür ein, dass die Kinotechnik ausgebaut wird und alles wird von der Stadt oder der Uni gefördert. Das Kino kostet nur 3 Euro Eintritt für Studenten und es gibt KEIN Popcorn.

Ich habe schon viele Kinos gesehen. Es gibt die tollen Kinos in Stockholm, Kinos in alten Fabrikgebäuden, Kinos in Kellern, Kinos auf Dachböden. Kinos in denen der Projektor mit einem dazugestellten Ventilator belüftet wird, Kinos, die sich noch heute ihre Plakate von einem Künstler malen lassen, Dorfkinos, Open Air-Kinos, Schlosskinos, Wanderkinos….

... und es gibt auch stillgelegte Bahnhofskinos. http://www.flickr.com/photos/kuehnerschwenk/3275026120/

Keiner von den Kollegen, die ich nach dem Traumkino gefragt habe, sagte: “Es sieht aus wie eine große Betonkiste an der Stadtautobahn oder im Gewerbegebiet, in der die Zuschauer wie Schafe hinein- und heraus getrieben werden. Im Gewerbegebiet gibt es viele Parkplätze und die rechteckige Form lässt sich praktisch aufteilen, so dass der Raum optimal ausgenutzt und den diversen Aufgaben zugeteilt werden kann, die für einen reibungslosen Ablauf des Kinobetriebs sorgen.”

Die Betreiber solcher Kinos scheinen das aber zu glauben. Denn solche Kinos gibt es mittlerweile wie Sand am Meer und stellen eine ernsthafte Bedrohung für unsere Lieblingsorte dar.  Es sind auch die gleichen Menschen, die sich unerlässlich darüber beschweren, dass nicht mehr genug Kunden ins Kino gehen und wenn, dass sie dafür nicht genug Geld ausgeben. Liegt das an den DVDs, die zu früh erscheinen, an der Vielzahl von Möglichkeiten, sich die Filme für wenig Geld im Internet zu besorgen oder aber vielleicht daran, dass ein heimisches Wohnzimmer meist mehr Gemütlichkeit ausstrahlt als ein, nach aufgewärmten Popcorn stinkendes, Multiplexkino? (Manche sagen es könnte am Preis liegen, aber das halte ich für üble Nachrede. Elf Euro fünfzig für eine digitale 3D-Projektion mit Überlänge ist doch fast wie geschenkt, oder?)

Nun haben wir als Gefühlsmenschen und/oder sehr schlecht bezahlte Filmvorführer ja wirklich nicht das Geld in Säcken zu Hause herumliegen und die ganze Umsetzung wird für die meisten von uns für immer ein Traum bleiben. Aber wir hoffen mit unseren Ideen, den geldaffinen Teilhabern der Aktiengesellschaften ein paar Vorschläge für die Zukunft geben zu können.

Und wenn Sie, liebe Zuschauer, in Zukunft eines der kleineren Kinos besuchen und sehen, dass es dort eine alternative Limonade zu kaufen gibt, die Eisverkäuferin mit ihrem Korb persönlich zu Ihrem Sitz kommt und der Vorführer vor dem Öffnen des Vorhangs, den mechanischen Gong erklingen lässt, dann denken Sie an uns, die Verrückten Kinoleute, die sich täglich über kleine und große Probleme den Kopf zerbrechen, nur damit Ihr Kinobesuch zu einem schönen, einzigartigen und authentischen Erlebnis wird.