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Neues im Sura

16 Jan

2011 werden wir 20 Jahre alt. Ist das nicht schön? Jedenfalls wette ich, dass ihr euch, wenn ihr einen runden Geburtstag feiert, rausputzt. Ein Kino ist auch etwas eitel, und darum putzen wir uns auch gerne raus. Bloß dafür reichen 20 Minuten im Badezimmer nicht aus, darum haben wir früher angefangen – 2010. Was haben wir alles am Sura gemacht?

Neuer Anstrich

Der Saal drinnen war 18 Jahre lang pink und blau. 18 Jahre gehen nicht spurlos an uns vorbei – darum haben wir angestrichen, und zwar dunkelblau. Erstens sieht dunkelblau super aus, zweitens ist es im Saal auch dunkler, so dass das Filmerlebnis noch intensiver und echter ist.

Neue Beleuchtung

An den Seiten des Kinos haben wir jetzt LED-Leisten anbringen lassen. Damit können wir das Kino bei Präsentationen zum Beispiel dunkel halten, aber trotzdem hell genug, damit keiner fällt. Ausserdem sieht es einfach klasse aus.

Beleuchtete Schaukästen

Unsere Schaukästen im Innenhof sind nun angestrahlt, damit man auch nachts sehen kann, was abends so im Sura läuft.

Neuer Flyer

Zusammen mit Lynn von GR-Ink gibt es jetzt jeden Monat einen bunten Kinoflyer: Mehr Informationen, mehr Bilder, mehr Wert für euch. Falls ihr keine Zeit habt, den Flyer zu holen, oder nicht in Echternach wohnt, wo er mit der Post zugestellt wird, könnt ihr den Flyer auch als PDF von der Startseite runterladen.

Teppiche im Saal

Wir wissen, dass unser Saal nicht ausreichend isoliert ist. Das ist ärgerlich, weil damit unnötig Heizöl durch den Kamin geht, und weil’s manchmal kalt wird. Darum haben wir im Winter Heizstrahler. Uusätzlich haben die hinteren Reihen jetzt Teppich bekommen. Damit isolieren wir die Böden, und ihr bekommt keine kalten Füße mehr.

Das Schild im Ausgang

Nur als Aufmerksamkeit wird jetzt jedem Besucher “Danke” gesagt, wenn er geht – weil ihr seit es, die unser Kino erst möglich machen. Und dafür habt ihr ein Danke verdient.

Was 2011 kommt …

2011 wird das Sura einen neuen Projektor bekommen. Wir werden endlich auch volle digitale Projektionen anbieten können. Das heißt für euch: Schnelleres und aktuelleres Programm, digitales Bild, die gewohnte Top-Sound-Qualität und so weiter. Natürlich trennen wir uns nicht von unserem 35mm-Projektor. Er ist das Herz des Sura, und eine wundervolle Maschine, die wir nie abgeben würden.

Ons Identiteit – Interview

3 Nov

Am 13. November haben wir die Ehre, die Premiere des Films “Ons Identitéit” von Jacques Schiltz und Lars Schmitz. Natürlich ist eine Satire im Rechten Milleu ein heikles Thema, und darum haben wir uns mit Lars und Jacques getroffen, um mehr über den Film zu erfahren.

Bildwerferraum: Wie ist es zum Film gekommen? Gab es den Moment, in dem ihr wusstet, dieser Film müsse gemacht werden?

Jacques: Es ging uns einerseits darum, herauszufinden wie weit man ohne Budget kommt, und während dessem trotzdem eine junge, engagierte Mannschaft zu finden, die Spaß daran hat, an Filmen mitzuarbeiten. Gleichzeitig wollen wir uns mit dem Film an aktuellen Diskussionen beteiligen.

Bildwerferraum: Um was geht es in eurem Film?

Lars: Es geht um Nationalstolz, und was passiert, wenn man die Idee von einem “reinen” Luxemburg konsequent durchzieht. Es geht darum, wie sensibel Medien, die Politik, aber auch das Luxemburger Volk auf jeden noch so kleinen Skandal reagieren, und ein riesiges Drama daraus machen, anstatt sich auf wesentlichere Probleme zu konzentrieren. Worum ging es denn denen meisten, die gegen die Delokalisierung vom Dikircher Bier demonstriert haben? Wohl kaum um Arbeitsplätze, sondern einzig und allein darum, dass luxemburger Bier in Luxemburg bleiben muss.

Bildwerferraum: Euer Film wird auch im rechten Millieu heiß erwartet. Wie findet ihr das?

Lars: Wir haben diesen Film nicht gemacht, damit linkspolitische Menschen sich in ihrem Denken bestätigt fühlen, sondern um die Lächerlichkeit von rechtem Denken aufzudecken. Es ist also gut, wenn das rechte Millieu den Film sehen will, und wir sind gespannt auf die Reaktionen, wenn sie feststellen, dass es sich im Grunde ja nur um eine Satire handeln kann. Unser Film wird hoffentlich sein Publikum unabhängig von einer politischen Richtung finden.

Bildwerferraum: Wie fändet ihr das, wenn die Rechte sich durch den Film bestätigt fühlen würde?

Jacques: Wir sind ziemlich überzeugt davon, dass das nicht passieren kann. Unsere Position wird im Film unverständlich klar. So klar, dass wir ohne Sorgen den Film für sich selber reden lassen können.

Bildwerferraum: Was passiert nach der Filmpremiere?

Lars: Dieser Film soll zur Diskussion über eine nationale Identität beitragen, und wir möchten den Film für alle betroffenen zugängig machen. Wir setzen den Film also in’s Internet, nicht nur auf Luxemburgisch, sondern auch mit französischen und deutschen Untertiteln.

Weitere Infos auf http://onsidentiteit.wordpress.com/

Filme, die ich im CineSura viel lieber zeigte

25 Jun

Neulich zeigten wir im CineSura den Film „The Bounty Hunter“. Einer unserer Zuschauer hatte uns ins Gästebuch geschrieben: „ Ech war deen eenzeschen am Kino, an elo wees ech och firwat.“ Was uns daran so traurig macht ist, dass wir wissen, dass „The Bounty Hunter“ ein grottenschlechter Film ist. Aber es ist uns, aus tausend verschiedenen Gründen, nicht immer möglich, die Filme zu zeigen, die  wir für gut befinden. Davon mal abgesehen, dass das natürlich auch immer eine Frage des Geschmacks des Publikums ist.   Deswegen habe ich mir jetzt folgendes überlegt:
Ich stelle jetzt drei von über zehtausend tollen Filmen vor, die ich lieber im Sura spielen würde, die aber schon zu alt sind, oder die wir hier nie vom Filmverleih bekommen würden. Es lohnt sich diese Meisterwerke in der Cinémathèque anzuschauen oder ins CNA zu fahren um sie sich dort ganz umsonst auszuleihen und sich  mit dem netten Mitarbeiter an der Ausleihtheke darüber zu unterhalten. Und wenn dann die Bounty-Hunter-Woche vorbei ist, können Sie dann wieder zu uns ins Kino kommen.

Ich habe drei Filme ausgesucht, welche nicht durch den massiven Einsatz von Spezial Effekten oder amerikanischer Blödheit glänzen. Hier beweisen die Filmemacher wieder, dass man auch mit spartanischer Ausrüstung einen tollen Film machen kann. Mann braucht einfach ein paar gute Ideen und schon hat man eine Sahneschnitte von Film. (Mit Crème- und Puddingfüllung und kandierter Kirsche obendrauf.) Viel Spaß beim Probeschlemmern.

Le petit monde de Don Camillo
Italien/Frankreich 1952
Regie: Julien Duvivier, Mit: Gino Cervi als Peppone und Fernandel als Don

Der Film nach dem Buch von Giovanni Guareschi, spielt in einem italienischen Dorf, in dem zwei Parteien und deren Anführer um die Vorherrschaft ringen. Der frisch gewählte kommunistische Bürgermeister Peppone kümmert sich um die weltlichen Dinge und der engagierten Priester Don Camillo hat Religion und Glauben unter seiner Zuständigkeit. Das ganze ist reichhaltig bespickt mit typisch italienischem Humor.

Der  Film besticht vor allem durch seine lustigen Dialoge. Etwa wenn Don Camillo während der Prozession zu Jesus sagt: „Meine Güte,  dieses Kreuz ist aber schwer!“ und Jesus antwortet: „Wem sagst du´s (…)!“

Diesen Film zu verstehen setzt nicht unbedingt die Kenntnis der italienischen Seele voraus, aber es hilft rot und schwarz voneinander unterscheiden zu können, schon ein Mal die Internationale gehört zu haben und ein paar Stellen aus der Bibel zu kennen. Für einen lustigen, gemütlichen Abend in der Familie (na die Kinder sollten schon etwas älter sein) ist das genau der richtige Film.

Gigante
Uruguay/Argentinien/Deutschland/Spanien 2009
Regie: Adrián Biniez, Mit: Horacio Camandulle als Jara und Leonor Svarcas als Julia

Jara ist Wachmann in einem Supermarkt. Jeden Abend sitzt er in einem kleinen Zimmer vor einigen Bildschirmen und passt auf, dass alles mit rechten Dingen zugeht. Dort ist er aber nicht alleine. Denn auch die Putzkolonne arbeitet nachts und als Jara die neue Putzfrau Julia auf seinen Überwachungsmonitoren erblickt, ist es um ihn geschehen. Es ist Liebe auf den ersten Blick und von jetzt an hat Jara nur noch Augen für sie. Da er  sich aber nicht traut sie anzusprechen, verfolgt er sie auf Schritt und Tritt und passt ganz gentlemanlike auf sie auf und das alles, ohne dass sie etwas davon mitbekommt.

Dies ist kein 100-Millionen-Dollar-Film. Die Szene, in der Julia beim Putzen einen Küchenpapierrollenturm zum Einstürzen bringt, ist die actionreichste und erstaunlicherweise nur mit einem einzigen Take gedreht worden. Es wird nicht so viel geredet in dem Film aber die Situationskomik  überzeugt auf sanfte aber geniale Art und Weise und  man kann sich so gut in den schüchternen Jara hineinversetzen, mit ihm hoffen und bangen, dass er seine Julia bald erobern kann.  Dieser Film wird von allen verstanden, die schon ein Mal verliebt waren und nicht wussten, wie sie sich mitteilen sollten. Nicht umsonst ist er auf der Berlinale 2009 drei Mal ausgezeichnet worden. Wer sich diesen Streifen entgehen lässt ist selbst schuld.

Die Leuchtkraft der Ziege -  eine Naturerscheinung
DDR, 1987, Regie: Jochen Kraußer

Ein  Kurzfilm aus „dunklen“ DDR-Zeiten, etwas skurril. Es geht um einen Amateurfilmer, der einigen Dorfbewohnern einen Film über die Leuchtkraft der Ziege zeigt… (Ach! Ich würde den ja so gerne als Eröffnungsfilm zum Clipstar zeigen).

Gesellschaftskritik durfte man damals ja nicht üben, weswegen sich manche  Kreative für den Weg ins Absurde/Komische entschieden. Kritik an der Gesellschaft und an der Art und Weise wie man damals Filme zu drehen hatte, wird zwar in diesem Streifen geübt, aber man muss schon ganz ganz gut hinsehen.  Macht aber nichts, wenn man das nicht gleich merkt. Beeindruckend sind in diesem Film vor allem die Kreativität und die Form des Humors. Es gibt eine kurze Szene in der zwar nur eine löchrige Ziegelmauer zu sehen ist, in der man aber mehr Kreativitiät, Situationskomik und Witz erkennen kann, als in hundert rezenten Hollywoodblockbustern. Die Selbstverständlichkeit dieser Kreativität und der Erfindungsreichtum der „Genossen aus dem Osten“  hauen einen um. Und wieder ein Mal haben wir den Beweis, dass es nicht darauf ankommt wie viel man für das Arbeitswerkzeug ausgegeben hat, sondern darauf, wie man es benutzt.

So long! Cinema forever!

Fremdgehen (I)

11 Mai

Fremdgehen ist kein Kavaliersakt. Trotzdem braucht man manchmal einen Tapetenwechsel, und dann findet man sich auf einmal anderswo wieder. In einem anderen Kino, versteht sich. Wenn man Freitags im Sura war, ist es verständlich genug, dass man Samstags nicht noch einmal geht, und darum möchten wir euch ein paar andere Kinos zeigen, bei denen wir euch verzeihen würden, euch ab und zu mal dort zu treffen. Denn auch wir sind nicht immer nur im Sura.

Ancien Cinema, Vianden

Okay, das alte Kino ist nicht wirklich ein Kino, sondern eher ein Café. Am Ort wo bis in den 70er Jahren das Café Besseling war, hat der polnische Inhaber zusammen mit seiner Frau sich einen kleinen Traum erfüllt. Irgendwo zwischen Kino, Konzertraum, Bar, Leseecke und Café findet man das alte Kino. Abends werden oft Filme gezeigt. Ein besonderer Fokus liegt hier auf alten Filmen und Stummfilmen, als Gast ist man aber auch herzlich dazu eingeladen, seine eigene DVD mitzubringen und zu zeigen. Die Möbel aus den 50ern und 60ern sorgen dabei für eine richtig wohlige Atmosphäre, und für die, die einen Film am liebsten stilecht kucken, gibt es hölzerne Kinositze, wie damals.

Davon abgesehen bietet das Ancien Cinéma eine schier endlose Getränkekarte mit außergewöhnlich guten heißen Schokoladen, seltenen Schnäpsen und allerhand zum entdecken. Und als ob das noch nicht genug wäre, gibt es auch noch jeden Tag frischen, hausgemachten Kuchen. Die riesige Büchersammlung zum Thema Film läßt dabei schnell die eine oder andere Stunde vergehen.

Gründe warum das Sura trotzdem euer Lieblingskino bleibt: richtige 35mm-Projektion und gemütliche Kinositze findet man hier leider nicht.

Lucky’s Luke, Trier

Früher mochte ich es noch lieber. Die Luke ist eine kleine Bar in der Luxemburger Straße in Trier. Genau – beim Rotlichtmilleu. Parken kann man fein gegenüber bei der Sparkasse. Früher war das Kino einfach ein Nebenraum der Bar, in dem ein paar Stühle standen und ein einsamer Zeiss Projektor seinen Dienst verrichtet. Die Atmosphäre war überhaupt nicht wie in einem Kino, sondern anders. Im Kino wurde Bier getrunken, geraucht und, wenn es denn mal sein musste, auch der Film kommentiert. Weil der ostdeutsche Projektor nur kurze Spulen tragen konnte, war im Film eine Pause. Zum Bierholen. Versteht sich.

Das ergab eine ganz andere Stimmung, mehr Wohnzimmer, weniger Kino. Und das hatte was für sich. Aber das neue Kino ist auch toll. Der Besitzer hat sich einen eigenen Kinosaal mit superbequemen Sitzen gebaut. Das ganze ist klein, aber gemütlich. Rauchen ist verboten, trinken darf man noch. Das macht natürlich mehr Kino, allerdings auch weniger Kneipe. Die Filme sind ausgezeichnet programmiert, leider aber meistens auf Deutsch. Trotzdem ein super Kino.

Gründe warum das Sura trotzdem euer Lieblingskino bleibt: Kein Zigarettenrauch, besseres Bild, besserer Ton und Filme in der Originalfassung.

Cinematheque, Luxemburg

Die Cinémathèque befindet sich am Theaterplatz in Luxemburg. Das besondere an der Cinémathèque ist ihr Bestand an Filmen. Ungefähr 13’000 Filme besitzt sie, und ist damit eines der bedeutendsten Filmarchive der Welt.

Für spottbilligen Eintritt bekommt man hier kein aktuelles Kino, aber die ganz großen Klassiker zu sehen. Das Programm lohnt sich, besonders um günstig und gut euer Repertoire an gesehenen Filmen aufzufrischen. In dem Kino könnt ihr übrigens (oder auch nicht) den sogenannten Changeover beobachten. Das ist eine Projektionstechnik, bei der der Film von 2 Projektoren gezeigt wird, und in der Mitte des Filmes der Projektor gewechselt wird, ohne dass das Publikum was mitbekommt. Wir erinnern uns an Fight Club.

Gründe warum das Sura trotzdem euer Lieblingskino bleibt: Aktuelle Filme, besseres Bild, besserer Ton.

Open Air Kino, Echternach

Naja, muss man noch mehr sagen? Kino im Freien. www.cinesura.lu/openair/

Das Traumkino

11 Apr

Cinema Europa, Lisboa. http://farm4.static.flickr.com/3053/2687947869_31c4882dc7.jpg

Kinoliebhaber oder Cinephile, wie man hier zu Lande sagt, sind schon sehr seltsame Menschen. Sie fristen viele einsame Abende in Projektionsräumen, sinnieren stundenlang über die symbolische Bedeutung bestimmter Obstsorten in Filmen und führen auch schon Mal sehr lange Diskussionen darüber, ab welchem Zeitpunkt während des Abspannes und mit welcher Geschwindigkeit das Licht im Zuschauerraum hochgedimmt werden sollte.

Viele machen diese Arbeit ehrenamtlich. Der einzige materielle “Lohn” den wir für unsere Arbeit bekommen, sind Freikarten fürs Kino und ab und zu ein Eis oder ein chinesisches Essen. Davon kann man keine Familie ernähren, aber das ist uns so was von egal. Denn Kino ist unsere Leidenschaft. Wir sagen es zwar niemanden, aber wir würden noch Kino machen, wenn wir dafür eingesperrt würden. Wir würden jeden Tag zwei Stunden im Schneesturm barfuß laufen oder eine 300 m2 Leinwand mit der Zahnbürste putzen, wenn wir dafür nur Kino machen dürften.

Und weil der Film schon so eine Art von Kunst ist, die nicht so einfach mit dem Immobiliengeschäft oder simplem Produktion von Bohrmaschinen verglichen werden kann, sollte er auch als solche behandelt werden.

Welche Aspekte dieses weiten Feldes – Kino – uns besonders faszinieren, ist unterschiedlich. Für die einen ist es die Technik, für die anderen ist es die Macht mit ein paar Handgriffen und Knopfdrücken die Menschen in den Bann zu ziehen. Für mich sind es die Träume, die großen Gefühle und manchmal auch diese Ahnung die einen überkommt, wenn man das Produkt der Filmemacher sieht und merkt, dass der Regisseur, die Schauspieler und der Filmkomponist ihre Arbeit mindestens genau so gerne machen wie man selbst.

Natürlich träumen wir alle davon, ein Mal unser eigenes Kino zu besitzen. Kein Homecinema, sondern ein richtiges Kino.

Und wie sieht so ein Kino aus, ein Kino, das von Menschen betrieben wird, die den Job so gerne machen, dass sie nie wieder was anderes machen würden, die schönsten Sommerabende drinnen verbringen und niemals in Rente gehen? Das Traumkino des Kinoträumers? Auch darüber gibt es unter den Verrückten viele Diskussionen.

Manche kunstversierten Cinephile, stellen sich ihr Lieblingskino als ein kleines gemütliches Programmkino, mitten im Szeneviertel der Stadt vor. Es hat zwei bis drei Säle, und spielt ausschließlich gute Streifen, Blockbuster nur, wenn sie es wert sind, aber fast ausschließlich Arthousefilme und gewagte Reportagen über ausgebeutete Landstriche und ihre Menschen. Aber es gibt auch viele Sonderveranstaltungen wie Film-Theater-Fusionen, Reisevorträge aus exotischen Ländern und Filmkonzerte bei denen die Band selber moderne Kurzfilme aussucht, die sie dann mit klassischer Musik neu vertont… Ein kleines gemütliches Boehme–Stadtkino, wenn man so will, selbstverständlich in einem Gründerzeit-Altbau, mit einem Café zur Straßenseite hin. Dort kann man auch hingehen wenn keine Vorstellung läuft, einen Latte Macchiato trinken, über den Sinn des Lebens sinnieren und mit gleichgesinnten ungestört über Polanskis Regiearbeit diskutieren…

Ein Kinofoyer in Sydney. http://farm4.static.flickr.com/3066/2338748017_f9963a293e.jpg

Nostalgiker stellen sich das Wunschkino alt und authentisch vor. Es sieht ungefähr wie folgt aus: Es sollte einen stilechten Anzeigestreifen mit Buchstaben zum Aufhängen haben. Dann muss es unbedingt einige Logen und/oder einen Balkon geben und die Inneneinrichtung soll ganz edel sein, alles aus rotem Samt, golden umrandet und geschnörkelt ohne kitschig zu sein. So dass man sich vorkommt wie in einer Oper. Dann gibt es ein großzügig gestaltetes Foyer mit ausladenden Showtreppen, Fußböden aus Marmor, saubere Toiletten aus Porzellan und kleine süße Kassenhäuschen.

Dieses Lichtspielhaus ist aber nicht nur reich ausgestattet, was den Innenausbau angeht, sondern auch vom Personal her. Hier arbeiten Kassendamen, Kartenabreißer, Popcorn- und Eisverkäufer mit Ausstrahlung und kümmern sich persönlich und zuvorkommend um die Gäste. Selbstbedienung ist hier ein Fremdwort, das Bier wird vom Fass gezapft und in edlen Glasbehältnissen gereicht.

Dieses Kino versteckt sich nicht in einer Seitenstraße, in einem Keller oder in einer Gallerie. Es steht in einer zentralen, belebten Stelle in der Stadt, direkt am Marktplatz. Dazu ein Vorplatz, großzügig gestaltet, mit Springbrunnen, geschnittenen Platanen und edler Beleuchtung.

Ein Solitärbau, der sagt: “Komm herein, ich bin das Kino, das wir alle lieben – das Herz dieser Stadt”.

Und dann gibt es auch noch das Studentenkino, wie ich es kenne. Da geht es weniger darum, wie das Kino aussieht und wo es steht als mehr um das Innenleben. Jedes Mitglied vom Verein hat das gleiche Mitspracherecht über die Auswahl der Filme und alle arbeiten mit. Vorführen, Pressetexte schreiben, Flyer designen, Deko aussuchen und Kabel verlegen; alles wird vorher ausdiskutiert und dann zusammen umgesetzt. Traditionell ist es so, dass die Studenten aus den Geisteswissenschaften sich dafür einsetzen, dass mehr “intelligente” Filme laufen, während die technikaffinen Leute auch gerne mal einen tollen Scifi-Film zeigen oder einen Kultschocker aus den Siebzigern. Es werden lange Diskussionen über die Getränkeauswahl geführt – darüber, ob bestimmte Colasorten zu kommerziell sind und dass der Verkauf von Biolimonade vielleicht zu pseudocool ‘rüber kommen könnte. Andere setzen sich mit Herzblut dafür ein, dass die Kinotechnik ausgebaut wird und alles wird von der Stadt oder der Uni gefördert. Das Kino kostet nur 3 Euro Eintritt für Studenten und es gibt KEIN Popcorn.

Ich habe schon viele Kinos gesehen. Es gibt die tollen Kinos in Stockholm, Kinos in alten Fabrikgebäuden, Kinos in Kellern, Kinos auf Dachböden. Kinos in denen der Projektor mit einem dazugestellten Ventilator belüftet wird, Kinos, die sich noch heute ihre Plakate von einem Künstler malen lassen, Dorfkinos, Open Air-Kinos, Schlosskinos, Wanderkinos….

... und es gibt auch stillgelegte Bahnhofskinos. http://www.flickr.com/photos/kuehnerschwenk/3275026120/

Keiner von den Kollegen, die ich nach dem Traumkino gefragt habe, sagte: “Es sieht aus wie eine große Betonkiste an der Stadtautobahn oder im Gewerbegebiet, in der die Zuschauer wie Schafe hinein- und heraus getrieben werden. Im Gewerbegebiet gibt es viele Parkplätze und die rechteckige Form lässt sich praktisch aufteilen, so dass der Raum optimal ausgenutzt und den diversen Aufgaben zugeteilt werden kann, die für einen reibungslosen Ablauf des Kinobetriebs sorgen.”

Die Betreiber solcher Kinos scheinen das aber zu glauben. Denn solche Kinos gibt es mittlerweile wie Sand am Meer und stellen eine ernsthafte Bedrohung für unsere Lieblingsorte dar.  Es sind auch die gleichen Menschen, die sich unerlässlich darüber beschweren, dass nicht mehr genug Kunden ins Kino gehen und wenn, dass sie dafür nicht genug Geld ausgeben. Liegt das an den DVDs, die zu früh erscheinen, an der Vielzahl von Möglichkeiten, sich die Filme für wenig Geld im Internet zu besorgen oder aber vielleicht daran, dass ein heimisches Wohnzimmer meist mehr Gemütlichkeit ausstrahlt als ein, nach aufgewärmten Popcorn stinkendes, Multiplexkino? (Manche sagen es könnte am Preis liegen, aber das halte ich für üble Nachrede. Elf Euro fünfzig für eine digitale 3D-Projektion mit Überlänge ist doch fast wie geschenkt, oder?)

Nun haben wir als Gefühlsmenschen und/oder sehr schlecht bezahlte Filmvorführer ja wirklich nicht das Geld in Säcken zu Hause herumliegen und die ganze Umsetzung wird für die meisten von uns für immer ein Traum bleiben. Aber wir hoffen mit unseren Ideen, den geldaffinen Teilhabern der Aktiengesellschaften ein paar Vorschläge für die Zukunft geben zu können.

Und wenn Sie, liebe Zuschauer, in Zukunft eines der kleineren Kinos besuchen und sehen, dass es dort eine alternative Limonade zu kaufen gibt, die Eisverkäuferin mit ihrem Korb persönlich zu Ihrem Sitz kommt und der Vorführer vor dem Öffnen des Vorhangs, den mechanischen Gong erklingen lässt, dann denken Sie an uns, die Verrückten Kinoleute, die sich täglich über kleine und große Probleme den Kopf zerbrechen, nur damit Ihr Kinobesuch zu einem schönen, einzigartigen und authentischen Erlebnis wird.